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Jurorenseminar

Jurorenseminar des LV Hessen mit Sigi Menzel (BR)

Der hessische Landesverband hatte ein Dutzend seiner Juroren, zu einem zweitägigen Seminar eingeladen. Referent war Sigi Menzel, ein Profi vom Bayerischen Rundfunk, mit profunden Kenntnissen in vielen Bereichen des Filmschaffens. Vertiefte Erfahrung und Kenntnisse habe er bei der Filmmontage erhalten führte er bei seiner Vorstellung aus.

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Sigi Menzel

Jurorenseminar

Grund für dieses Seminar war der Unmut von Autoren, und das Unbehagen von Juroren und vom Landesverbandsvorstand bei der Filmbewertung und der Preis-/ Medaillen-Vergabe bei Jurysitzungen.

Zur Vorbereitung waren umfangreiche Ausführungen und Zitate zu komplexen Themen der Filmarbeit versandt worden. Daraus resultierten Motivation und Erwartungen als ideale Basis für einen intensiven Gedankenaustausch.

Zu Beginn formulierten die Teilnehmer die aus ihrer Sicht offenen Fragen aus den Jury-Diskussionen. Damit boten sie vielfältig den Bezug zu den konzentrierten und anspruchsvollen Ausführungen des Referenten. Mittels vieler systematisch aufge-bauter Kriterien erläuterte er seine Sicht der Grundlagen zur Film-Analyse und –Be-wertung. Damit erhielten die Teilnehmer zugleich Gelegenheit zur Diskussion und Klärung der Formulierungen und der Thesen.

Konsens bestand darin, dass der BDFA zur Film-Bewertung keine Orientierungshilfe gibt, so dass die Jurys oft ziellos und unstrukturiert verlaufen. An Beispielen wurde deutlich, dass unzulängliche Filme häufig zu hoch bewertet werden. Viele individuell erarbeitete Bewertungsbogen zeugen zwar vom Bemühen um filmspezifische Krite-rien, sind in den meisten Fällen aber ungeeignet und nicht zielführend.

Der Referent beschrieb seine Beobachtung, dass von den BDFA-Film-Jurys hauptsächlich Details der Filmbearbeitung diskutiert, selten jedoch die wesentlichen Aspekte, die zum Gesamteindruck eines Filmes führen, angesprochen werden.

Als Schwerpunkte dieser Voraussetzungen nannte er drei Kriterien (Kurzfassung):

  • die emotional-intellektuelle Wirkung eines Filmes
  • die gestalterische und informative Gestaltung
  • die handwerkliche Umsetzung

Ungelöst blieb die Frage, ob bei Wettbewerben der unteren Ebene andere Maßstäbe bzw. Diskussionsbeiträge erforderlich sind, als auf höheren Ebenen, wie auch der Vorschlag, nur jeweils einen ersten, einen zweiten und einen dritten Preis (Gold/ Silber/ Bronze) zu vergeben, sowie besondere Leistungen in einzelnen Aspekten durch Diplome zu würdigen. Auch hier sind zwei Intentionen schwer zu vereinbaren: die breite BDFA-Basis motivieren oder einen höheren Anspruch an die Filmarbeit for-mulieren.

Anhand vieler Filmanfänge und einiger Kurzfilme erörterten jeweils neu zusammen-gesetzte Jurys eingehend den von den Autoren erreichten Unterhaltungswert, die inhaltlich/ formativen Elemente sowie die technische Umsetzung. Gelegentlich er-schwerte dabei gewohntes Vorgehen das Ziel einer vertiefenden Betrachtung. Die gründliche Analyse der Filmanfänge zeigte auch, dass diese für die Qualität der voll-ständigen Filme zuverlässige Indizien darstellen.

Alle Teilnehmer bedauerten, bei einem Wettbewerb Filme nach nur einmaliger Pro-jektion bewerten zu müssen. Daraus leiteten sie die Erwartung ab, künftig die Filme vor einem Wettbewerb zugeschickt zu bekommen bzw. sie vorab z.B. im Internet sehen zu können.

Die Qualität des Seminars erwies sich durch die konzentrierte Durchführung, in der wiederholten und nachdrücklichen Forderung des Referenten nach Bewertung der Potentiale der Filmthemen und in seinem aufmerksamen Eingehen auf vielfältige, gelegentlich sehr subjektive Äußerungen der Teilnehmer. Die zahlreichen Folien deckten das ganze Spektrum von grundsätzlichen Überlegungen bis zu ergänzenden Hinweisen ab. Ebenso wurde klar, dass es, wie bei jedem künstlerischen Schaffen, bei allem Bemühen um „gerechte“ Filmbewertung, keine objektiven oder gar nume-risch erfassbaren Maßstäbe geben kann.

Diskutiert wurde angeregt bis in die Nacht.

Für andere Juroren und Clubs werden die Seminarteilnehmer nun Multiplikatoren sein. Clubleiter und Autoren können dann ihrerseits dazu beitragen, die latente Unzufriedenheit in eine konstruktive Perspektive zu überführen. Die Hoffnung auf weiteres Vertiefen des eingeschlagenen Kurses wünschten sich die Teilnehmer und der Referent.

Herbert Du Bois