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Bericht vom Autoren-⁠ und Juroren-⁠Seminar am 15. Oktober 2016 in Neu-⁠Isenburg

Bericht vom Autoren-⁠ und Juroren-⁠Seminar
am 15. Oktober 2016 in Neu-⁠Isenburg

Der Juryreferent des Landesverbandes Hessen, Dr. Klaus Frank, hatte eingeladen und auch diesmal war das Interesse wieder groß. 22 Teilnehmer waren ins "Cine-Place" in Neu-Isenburg gekommen. Dieser Veranstaltungsort war wieder einmal mit seiner Einsatzmöglichkeit als Kino und Konferenzraum eine ideale Location mitten im Rhein-Main-Gebiet.

Natürlich war das Hauptthema, sich als Juror und Autor weiter zu entwickeln. Aber auch ein kritischer (Jury-) Rückblick auf die vergangenen Festivals und ein Ausblick auf die neue Wettbewerbsstruktur des BDFA bei Bundeswettbewerben standen auf dem Programm.

Moderator und Referent Herbert Du Bois brachte mit seinem Wissen und seiner Jury-Erfahrung die Diskussionen immer wieder auf den Punkt, so dass nicht nur gute Ratschläge gegeben, sondern tatsächlich auch etliche grundlegende Entscheidungen getroffen werden konnten.

Den Einstieg machte Norbert Lippe, Landesverbandsvorsitzender Hessen, der insbesondere auf die neuen Wettbewerbsstrukturen des BDFA einging, die in der Verbandszeitschrift "Film- und Video" schon mehrfach erläutert wurden. Im Vordergrund der Diskussion standen die Auswirkungen auf die Wettbewerbe in Hessen, insbesondere die Weitermeldungen.

Nach all diesen organisatorischen Themen stand aber noch ausreichend Zeit für den Hauptteil des Seminars zur Verfügung: Die Schulung von Autoren und Juroren sowohl mit Grundlagen als auch praktischer Übung "am Objekt". So wurde am Nachmittag wieder eine Trainings-Jury aus Freiwilligen mit drei ausgewählten Filmen herausgefordert. Herbert Du Bois als Jury-Leiter steuerte die Diskussionen und gab hilfreiche Tipps und Anregungen.

Wichtig in diesem Zusammenhang war auch, dass Juroren durchaus offen zugeben können, wenn sie einen Film nicht verstanden haben. Sie sollten sich dann natürlich bei der Diskussion zurückhalten. Am Ende ist aber immer die persönliche Erfahrung der Juroren entscheidend. Die Erkenntnis ist dementsprechend immer wieder: Andere Juroren hätten anders diskutiert und entschieden. Deshalb sind auch fünf Juroren und ein Juryleiter im Einsatz, damit eine ausgewogene Beurteilung möglich ist. Die subjektive Einschätzung lässt sich nicht vermeiden, Filmqualität ist nicht objektiv messbar. Aber die hessischen Juroren sind jetzt wieder noch ein bisschen besser vorbereitet.

Die nächste Aufgabe wartet schon: Die Herbstfestivals starten am 5. November in Wiesbaden.
Das Programm wird auf jeden Fall wieder interessant...nicht nur für die Juroren.


Folgendes wurde beraten bzw. festgelegt:

Die Landesverbände Hessen und Rheinland-Pfalz werden einen gemeinsamen "Landeswettbewerb" veranstalten. Dazu wird erstmals die HAFF in Wetzlar am 19. November auch mit Filmen aus Rheinland-Pfalz bestückt. Von dort aus erfolgt dann die Auswahl zur Weitermeldung (bzw. Nominierung) für die Bundeswettbewerbe. Anmerkung: Damit ist es keine "HAFF" mehr, weil nicht nur Hessen sondern mehrere Länder beteiligt sind, ein neuer Name ist aber noch nicht gefunden. Die offizielle Bezeichnung ist "Wettbewerbsbereich (WB) BDFA Südwest".

Es wird ein Laufzeit-Kontingent der einzelnen Bundesfestivals geben, d.h. es kann nur eine begrenzte Minutenzahl vom Landeswettbewerb weitergemeldet werden, abhängig von der Kategorie. Um möglichst faire Bedingungen zu schaffen, wird der Landesverband diese Minutenzahl nicht einfach auf 1. und 2. Landesfestival aufteilen, sondern neben direkten Weitermeldungen auch mit vorläufigen Nominierungen arbeiten. Ein Beispiel dafür ist unten angeführt. Mit dieser Lösung waren alle Anwesenden voll einverstanden, weil hiermit die größtmögliche Fairness und auch Chance auf Weitermeldung gegeben ist. Selbst große Unterschiede bei Filmaufkommen und Qualität der Filme werden damit berücksichtigt, und das Verfahren bleibt für Autoren wie Juroren völlig überschaubar und transparent.

Damit werden auch Fälle abgefangen, bei denen in der Vergangenheit Preise und Weitermeldungen nicht zusammen gepasst haben (z.B. 5 Stimmen für einen 2. Preis aber keine Weitermeldung).

Intensiv diskutiert wurde erneut, ob während der üblichen Jurydiskussion bei Wettbewerben eine schematische Darstellung genutzt werden soll. Die Vorteile wurden zwar klar hervorgehoben (präzisere Aussagen der Juroren, bessere Einschätzung des späteren Abstimmungsergebnisses), aber letztlich überwog die Erkenntnis, dass die Juroren damit z.T. überfordert werden. Der Juryleiter muss konsequent die Kriterien abfragen, was im gegebenen Zeitrahmen schwierig ist. Die Erfahrung aus den vergangenen, unter Zeitdruck laufenden Festivals zeigt, dass die Randbedingungen leider nicht gegeben sind. Trotzdem sollte sich insbesondere der Juryleiter um Transparenz und Klarheit der Aussagen "seiner" Juroren bemühen.

In diesem Zusammenhang wurde nochmals betont, dass u.U. missverständliche Aussagen von Juroren sofort hinterfragt, erläutert und evtl. korrigiert werden sollten. Empörte Brief-/eMail-Wechsel im Nachgang sind wenig hilfreich und sollten unbedingt vermieden werden.


Die Weitermeldungen zu Bundesfestivals, ein Beispiel: 

300 Minuten dokumentarischer Film dürfen pro Jahr vom WB Südwest weitergemeldet werden, das bedeutet bei 2 Landesfestivals theoretisch jeweils 150 Minuten.

Bis zu cirka 100 Minuten davon werden jeweils direkt für Weitermeldungen genutzt, d.h. beim 1. Landesfestival werden Filme mit einer Gesamtlaufzeit von bis zu cirka 100 Minuten ausgewählt, die dann auch sicher bei Bundesfestivals laufen. Darüber hinaus werden weitere Filme "nominiert". Diese Filme behalten die Chance einer Weitermeldung, sie müssen sich aber einem Vergleich mit Filmen vom 2. Landesfilmfestival stellen.

Beim 2. Landesfestival erfolgt das gleiche Verfahren: Bis zu cirka 100 Minuten werden direkt ausgewählt, weitere Filme werden nominiert. Die Jury des letzten Landesfestivals muss dann zwischen allen nominierten Filmen entscheiden, welche tatsächlich weitergemeldet werden. Dazu stehen aus dem obigen Beispiel noch cirka 100 Minuten zur Verfügung.
Damit das Weitermeldungskomitee diese Entscheidung treffen kann, muss es natürlich alle Filme kennen. Deshalb wird der Landesverband vor dem letzten Landesfestival jedem Juror eine DVD mit den "Kandidaten" von dem 1. Landesfestival zukommen lassen. Damit kann er einen direkten und aktuellen Vergleich ziehen und entscheiden.