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"ENDLICH" , mögen einige Besucher gedacht haben. Endlich wieder Filme vor Publikum in einem Saal auf einer großen Leinwand. Endlich wieder persönlicher Kontakt zu den lange vermissten Filmfreunden aus ganz Hessen.

Am Sonntag, den 13.02.2022 fand das diesjährige Landesfilmfestival Hessen (78. HAFF) in Wiesbaden im Bürgerhaus Delkenheim statt.

Zuschauer 78 HAFFZuschauer 78. HAFF

Nachdem sich jeder den Corona bedingten Einlasskontrollen ergeben hatte, keimte so etwas wie Normalität auf. Es wurde sich freundlich, fast schon überschwänglich begrüßt und man begann mit jeder Menge Fachsimpelei.

Zuschauer 78 HAFFZuschauer 78. HAFF

Stephan Vogel, Vorsitzender des Wiesbadener Filmkreises, begrüßte die Gäste und gab einige Infos zum weiteren Tagesablauf. So durfte z.B. kein Essen und Trinken im Saal ausgegeben werden. In einer langen Mittagspause ging es geschlossen zum Griechen um die Ecke.

Der Landesvorsitzende des BDFA-Hessen, Norbert Lippe, eröffnete offiziell die HAFF 2022 und wünschte allen Filmern viel Erfolg. Wie in alten Zeiten war die Jury-Besprechung im ersten Block ausufernd lang. Doch im Laufe des Tages spielten sich die Juroren immer besser ein und konnten den Zeitplan fast einhalten. Für Jury-Leiter Rainer Drews und sein Team (Ute Kühnert, Margot Kühn, Rolf Lohr, Uwe Stellberger, Torsten Wies) war es ja auch eine Umstellung wieder live vor Publikum Filme zu besprechen.

Insgesamt wurden 25 Beiträge in 4 Blöcken gezeigt. Von Reise-,Doku-, Natur-, und Minutenfilmen bis hin zu Spiel- und Experimentalfilmen sowie Musikvideos war alles vertreten.

Mehrere Autoren hatten als Thema die Aufarbeitung ihrer eigenen Familien- bzw. Stadtgeschichte. Darunter waren teils sehr bewegende Momente, an denen uns die Filmer teilhaben ließen.

Dieter Kopelke (Film- und Video-Club Siegerland) machte sich in seinem Film WO LIEGT DENN PETRAKOWO auf Spurensuche nach seinem im Krieg verstorbenen Vater.

Stephan Vogel (Wiesbadener Filmkreis) versuchte in BAUMFÄLLARBEITEN die Rolle seines Vaters im Krieg zu hinterfragen.

Thomas Kempf (Film- und Videofreunde in der VHS Neu-Isenburg) hatte mit seinem Beitrag UND PLÖTZLICH KAM DER TOD den wohl aufwendigsten Film produziert. Er dokumentierte nicht nur sondern ließ den Zuschauer auch mit Spielfilmszenen und bis zu 50 Mitwirkenden hautnah an einem tragischen Fährunglück im Januar 1917 auf dem Main teilhaben.

Die Jury vergab insgesamt 2 Teilnahmeurkunden, 11x einen 3.Preis, 6x einen 2.Preis und 6x einen 1.Preis.

Jury 78 HAFF

Die beiden erfolgreichsten Filme im Wettbewerb mit je 3x 5 Jurystimmen hatte Gerhard Kreysa  (Wiesbadener Filmkreis) mit seiner Dokumentation über Farben (BLAUMACHEN) und seinem Naturfilm über Bienen (FASZINATION BIENEN).

Juryleiter Rainer Drews lobte am Ende der Veranstaltung die insgesamt qualitativ hochwertigen Beiträge. Dies hatte dann auch zur Folge, dass 15 Filme zu den Bundesfilmfestivals weitergemeldet werden konnten.

Ob es jetzt an der länger andauernden Einlasskontrolle, der überlangen Mittagspause oder den langen Jurybesprechungen gelegen hat, dass der Wettbewerb bis in den späten Abend hinein ging, kann man gar nicht genau sagen.

Möglicherweise war es einfach zu schön mal wieder an einer Präsenz-Veranstaltung teilzunehmen und man wollte einfach nicht nach Hause gehen...

BERND NILSSON